– Tag 1

Aufregung – Euphorie – Neugierde – Vorfreude –

Liebes Tagebuch, 

seit Wochen, seit Monaten, nein eigentlich seit Jahren habe ich auf diesen Moment gewartet: NK2 2016 mein letztes Zeltlager als Kind in Neukirchen. Ich verbringe, wie ich dir ja schon ausführlich erzählt habe, seit 6 Jahren meinen Sommer im Zeltlager Neukirchen. Nun bin ich 15 Jahre alt und damit nächstes Jahr zu alt, um noch mal als Kind mitzufahren. Unvorstellbar eigentlich, ein Sommer ohne Neukirchen. Du kannst dir sicherlich vorstellen wie aufgeregt ich war... Alles werde ich für das letzte Mal machen. 

Meine Eltern haben mich nach Neukirchen gefahren und schon beim Aussteigen fühlte ich mich angekommen. Angekommen in meiner zweiten Heimat, der Ort in dem ich viele Sommer meiner Jugend verbracht habe. Mir schießt die Ostseeluft in die Nase, ich höre Gelächter und das unverkennbare Geräusch des metallenen Netzes der Rundeplatte. Ich sehe viele bekannte Gesichter und falle meinen Freunden in die Arme.

Nach dem standardmäßigem Anmeldungstamtam haben sich dann alle Eltern und Kinder auf dem Sportplatz versammelt, um die Zelte zu vergeben. In einer kurzen Erklärung hat uns ein Betreuer erzählt, dass wir nun Zeltgemeinschaften bilden sollen. Dabei wurde klar gemacht, dass sich Zeltgemeinschaftenzusammenfinden sollen, mit denen Alle zufrieden sind. Heißt Jede_r soll ein schönes Zeltlager erleben können, mit einer Zeltlagergemeinschaft, in der er oder sie sich wohl fühlt. Ein hehrer Anspruch, aber ich glaube wir haben das ganz gut hinbekommen. Finde ich eigentlich ganz gut das so zu machen. Ich habe mich dabei kurz an mein erstes Zeltlager zurückerinnert. Da kannte ich fast Niemanden und die Leute aus meinem Zelt haben mich mega lieb aufgenommen und mir Alles gezeigt. Ich hoffe, dass sich alle "NK2 Neulinge" Heute genauso gefühlt haben. 

Wir haben dann unser Zelt bezogen und unsere Betreuer kennengelernt (ich hab sogar zwei Zeltbetreuer, wie geil ist das denn?). Mehrere Kilo Naschen und Getränke mit viel Koffein werden taktisch klug unter den Pritschen und im Regal verstaut. Die Anderen packen eine Musikbox aus, hängen eine Lichterkette auf und verlegen wie selbstverständlich eine Kabeltrommel, so dass wir Strom im Zelt haben. Hää hab ich was verpasst? Soll das so? Ich hab an sowas gar nicht gedacht, aber schon irgendwie geil ein schönes Zelt zu haben. 

Wir haben uns dann noch ausführlich den Lagerplatz erkundet und mit den Betreuern besprochen wie wir uns das Zeltlager so vorstellen. Zum Beispiel was es so für Absprachen gibt, die für alle Teilnehmer wichtig sind. Klang Alles ziemlich gut und so, als hätten wir viel Freiraum und Möglichkeiten. Viel Vertrauen, das uns die Betreuer von Anfang an entgegen bringen, gefällt mir.

Vor dem Abendessen haben wir dann das erste Mal zusammen den Lagertanz getanzt. Cooles Lied, witzige Dancemoves und tanzen ist genau mein Ding, Zeit für mich zu glänzen. Danach habe ich mich etwas auf dem Zeltlagerplatz umgeschaut. Mal abchecken wer so in den Zelten um uns herum wohnt und was hier sonst noch so passiert. Es herrschte eine coole Stimmung auf dem Lagerplatz. Die Sonne schien den ganzen Abend, es wurde viel Quatsch getrieben und auch sonst waren Alle irgendwie schwer beschäftigt. Viele fröhliche Menschen hab ich da gesehen und nette Gespräche geführt. Für mich ist es mittlerweile nicht mehr so schwierig mit fremden Jungendlichen ins Gespräch zu kommen, das war in meinen ersten Zeltlager noch anders.

Um 21 Uhr hat sich dann noch mal das gesamte Zeltlager auf dem Sportplatz versammelt. Es folgte der "Neun Uhr Dreißig Dauerbrenner". Eine Aktion, bei der Jede_r aus dem Zeltlager freiwillig mitmachen kann und die jeden Tag entweder um 9:30 oder um 21:30 stattfindet. Dafür wurden wir zufällig in Team Rot und Team Blau eingeteilt. Eine Spannende Idee wie ich finde. Mal gucken, wie oft ich da so mitspiele. Wenn mein Team führt sehe ich mich da eher in der Zuschauerrolle. Erste Rivalitäten waren auf jeden Fall zu erkennen.

Danach haben wir uns so langsam bettfertig gemacht und mit unseren Betreuern noch etwas Zeit im Zelt verbracht. Wir haben etwas über den Tag geredet und was uns Morgen so erwartet, dann mussten die Beiden aber los zur Teamsitzung. Die Betreuer treffen sich immer Abends zu einer Besprechung im Lalei. Soweit ich das mal mitbekommen habe, planen die da die ganzen Aktionen und sprechen über Alles was irgendwie so anliegt. Was da jetzt genau passiert weiß ich nicht, wäre aber mal spannend dort Mäuschen zu spielen. Für uns heißt das jedenfalls der Zeltlagerplatz gehört uns Allein! Naja fast Allein, da sind schon noch ein paar Betreuer die aufpassen.

Ich war eigentlich nie Jemand, der Nachts rumläuft, andere Zelte besucht und Quatsch macht, aber ich habe mir für mein letztes Jahr vorgenommen Alles mal mitzumachen. Also habe ich mich mit den Anderen aus dem Zelt geschlichen und bin Draußen rumgelaufen. Nervenkitzel pur, denn erwischt werden ist ja auch irgendwie peinlich. Ich wusste gar nicht wie viel Spaß das machen kann, hab ich da die letzten Jahre was verpasst? Nach zwei Runden über den Lagerplatz drehen, einem Klopfstreich bei der Teamsitzung und der inflationär gebrauchten Ausrede "Wir wollen nur kurz auf die Toilette gehen", laufe ich wieder ins Zelt. Wir quatschen noch ein bisschen und dann fallen meine Augen auch schnell zu, war ja auch ein langer Tag. Aber was für ein Tag. Und das war der erste von 18 Tagen, was da noch so Alles passieren wird... aber das erfährst du ja noch.

Wir sehen uns Morgen liebes Tagebuch.

Tage