– Tag 14

Liebes Tagebuch,

heute stand ein weiterer Mottotag auf dem Programm und darüber habe ich mich sehr gefreut. Nicht nur, weil ich es gerne mag, wenn schon zum Frühstück verkleidete Betreuer_innen kommen, thematische Musik läuft und wir damit früh in einen spannenden Tag starten. Sondern auch, weil ich mich bei diesem Motto besonders gut auskenne, es war der Tribute von Panem Mottotag. Tribute von Panem ist eine Romanreihe, die in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit durch die gleichnamigen Kinofilme bekommen hat. Ich hab die Bücher schon zwei mal gelesen und liebe die Geschichte. Mit entsprechender Vorfreude bin ich in den Tag gestartet und ich wurde nicht enttäuscht.

Panem bedeutet irgendwas lateinisches für Brot und Spiele und ist in der Geschichte ein Land, das nach einem Bürgerkrieg in Distrikte aufgeteilt wurde und jedes Jahr die Hungerspiele veranstaltet. Da steckt das reiche Kapitol aus jedem Distrikt zwei Tribute in eine Arena, um sie gegeneinander kämpfen zu lassen. Klingt irgendwie düster und eine gruselige Vorstellung das Ganze, aber es ist ja auch nur eine Geschichte und wie so oft siegen am Ende die Guten.

In etwa das gleiche Prinzip haben wir Heute auch gemacht. Jeweils zwei Zelte haben ein Distrikt gebildet und die Betreuer waren das Kapitol und die Friedenswächter. Beim Frühstück gab es eine Parade von Kapitollbewohnern, die alle super bunt, verrückt und glamourös gekleidet waren. Der oberste Spielmacher erklärte uns, dass am Mittag die Ernte (Ziehung der Tribute) bevorsteht und wir bis dahin im Trainigscenter trainieren können. Den Vormittag über konnten wir dann an vielen verschieden Orten unsere Fähigkeiten (Kraft, Glück, Geschick, Wissen und Sprungkraft) verbessern. Außerdem konnten wir Gegenstände bekommen und diese auch zusammenbauen, damit unser Tribut gut für die Arena am Nachmittag vorbereitet ist. So haben wir uns ein Schwert und eine Rüstung gebaut, Salben angefertigt und eine Hasenpfote erspielt.

Vor dem Mittag war dann die Ernte, bei der aus jedem Distrikt ein weiblicher und ein männlicher Tribut für die Arena gezogen wurde. Es herrschte gespielt gedrückte Stimmung und die so genannten Friedenswächter (die eigentlich das Gegenteil machen) sorgten auch dafür, dass es so blieb. Nach einer kurzen Rede wurden dann nach und nach die Tribute gezogen. Aus jedem Zelt musste einer oder eine in die Arena, aber andere aus dem Zelt konnten sich freiwillig melden, um die Aufgabe zu übernehmen. Ich wurde langsam nervös... denn Aufmerksamkeit ist nun wirklich nichts für mich. Viele der gezogenen Tribute gingen selbstbewusst und mutig nach vorne und dann kam mein Distrikt und es geschah das unvermeidliche: Mein Name wurde vorgelesen! Ich ging halb geschockt, halb verwirrt nach vorne und dann hörte ich zum Glück ein lautes „Ich melde mich freiwillig“ aus meinem Zelt, meine Rettung. Bloß nicht weiter drüber nachdenken, hab ich halt ein mal im Leben Glück gehabt.

Am Nachmittag haben wir uns dann Alle um die kreisrunde Arena auf dem Sportplatz versammelt. Die 16 Tribute begaben sich mit ihrer erspielten Ausrüstung auf das Spielfeld und Distrikte waren als Unterstützung am Rand verteilt. Das Arenaspiel hatte unterschiedliche Phasen, die immer von den Spielleitern angesagt wurden. Alle haben sich durch einen Sprung in der Bewegungsphase bewegt, dann konnte durch Ticken ein Kampf in der Kampfphase ausgelöst werden und danach kam die Versorgungsphase, in der wir unseren Tribut mit neuen Gegenständen ausgestattet haben. Wir als Zelt und Distrikt haben während des Spiels unseren Tribut unterstützt, an der Taktik gefeilt und konnten noch weitere Gegenstände an Stationen erspielen, damit unser Tribut immer die richtigen Sachen zur Verfügung hat. Dazu gab es nach Kapseln die auch rumgesprungen sind und bei Berührung mit dem Tribut entweder gute oder schlechte Ereignisse ausgelöst haben und Katastrophen. Bei Katastrophen kam eine Horde Affen, die die Tribute angegriffen haben. Die haben für mich auf jeden Fall auch zur Belustigung beigetragen.

Das war nur ein kurzer Einblick in das Spiel, eigentlich gibt es noch ein paar Regeln und Sachen mehr, aber ich will mich ja hier nicht in Details verlieren. Es war jedenfalls ein gut ausgeklügeltes Spielsystem und eine interessante Variante die Hungerspiele umzusetzen. Sehr taktisch das Ganze, ohne, dass Kämpfen eine große Rolle spielt. Da können dann auch mal andere Leute glänzen.

Nach dem Abendessen wurde der Platz von den Friedenswächtern geräumt und eine Ausgangssperre verhängt. Ich hab's erst nicht ganz verstanden, wir sollten auf jeden Fall in unsere Zelte. Nach ein paar Minuten der Ahnungslosigkeit, wurde dann ein Brief in unser Zelt geworfen. Der Brief war von Katniss Everdeen (die Hauptfigur) persönlich und sie rief uns dazu auf uns von der Unterdrückung des Kapitols zu befreien. Sie hat ein paar Friedenswächter auf die Seite der Rebellion bekommen und wir können gemeinsam den Weg in die Freiheit finden. Auf ein Startsignal liefen wir dann raus und haben die verbündeten Friedenswächter gesucht, konnten aber auch von allen Anderen gefangen werden. Man kam dann in eine Art Gefängnis, aber die Leute der Rebellion haben uns immer mal wieder aus dem Gefängnis befreien können. Letztendlich war es ein Lauf- und Tickspiel mit etwas Taktik. Mit verschiedenen Codes haben wir dann immer mehr Komplizen abgeklappert und schlussendlich den Weg in die Freiheit gefunden. Dort hielt Katniss noch eine kurze Rede, dass wir uns nun in die Freiheit gerettet haben und den Abend für uns genießen können. Meine Zeit also.

Ein wirklich sehr intensiver Tag liegt hinter mir. Ich bin voll in dem Motto aufgegangen, habe gut mitgespielt und mich zwischenzeitig wirklich so gefühlt, als wäre ich ein Teil von Panem und mich gegen das Kapitol aufgelehnt. So ein Mottotag bringt auch viel mehr Spaß, wenn man sich voll auf die Szenerie einlässt und mitspielt, genau mein Ding. Richtig cool fand ich auch die Verkleidungen der Betreuer_innen. Da steckte viel Mühe drin und einige Charaktere habe ich mir in meiner Phantasie auch genau so vorgestellt.

Ich hab Meine Zeit (in Freiheit) hauptsächlich dafür genutzt etwas zu entspannen. Auf dem Platz hat ein Besucher mit Liske (eine Teilnehmerin) Gitarre gespielt und dazu gesungen. Das war mega schön und es kam leicht melancholische Stimmung auf. Ganz entspannt mit schöner Musik in den Ohren, kam mir aber auch wieder der Gedanke, dass das Zeltlager schon bald vorbei ist. Ein trauriger Gedanke.

Morgen steht wieder ein Ausschlaftag an, damit wir noch mal fit in die letzten Tage starten können. Zum rumlaufen war ich heute Abend zu fertig und auch das Wetter hat sich leider etwas geändert. Es gewittert gerade ordentlich über uns. Wir haben aber extra noch mal unser Zelt abgespannt und ein paar Sachen reingetragen und dann finde ich Gewitter im Zelt auch irgendwie ganz gemütlich. Wenn der Regen so auf die Zeltdecke prasselt kann ich sehr gut schlafen und das tue ich jetzt gleich auch.

Gute Nacht liebes Tagebuch.

Tage