– Tag 17

Liebes Tagebuch,

Heute wird wohl der traurigste Eintrag, den ich je in dich geschrieben habe. Und ich habe auch überlegt, dass es der Letzte sein soll, denn mit dir habe ich meine Zeit in Neukirchen begonnen und nun endet sie auch wieder. Heute ist mein letzter Tag im Zeltlager Neukirchen. Ein langes Kapitel geht zu Ende und ich lasse viele Erinnerungen zurück. Aber kommen wir erst mal zum heutigen Tag.

Die letzte Nacht war doch ruhiger als erwartet. Wir hatten uns vorgenommen viel rumzulaufen, weil es das letzte Mal Nachts rumlaufen und Betreuer ärgern war. Heute Abend dürfen wir nämlich so lange wach bleiben wie wir wollen. Aber ich war doch recht müde und wir haben im Zelt beschlossen, dass es klüger wäre etwas Schlaf zu bekommen, damit wir Heute richtig powern können. Deshalb bin ich auch fit in den Tag gestartet.

Am Vormittag haben wir das Großspiel Ork.Org gespielt, das ich auch schon aus den letzten Jahren kenne. Im Grunde ist es ein Aufräumspiel mit einer witzigen Aufmachung und guten Gewinnen. Die Betreuer_innen haben uns vor dem Spiel gesagt, dass wir alle zusammen hier 18 Tage Zeltlager verbringen und dass es deshalb auch cool wäre, wenn Alle mithelfen. Ich finde das richtig so. Wir Teilnehmer_innen können hier so viel nutzen und uns bei so vielen Sachen einbringen, dass es nur fair ist, wenn wir auch beim Aufräumen helfen. Und es gibt ja auch gute Preise. Jede_r hat alleine Punkte gesammelt (gelevelt), aber ein Zelt konnte zusammen einen Mitternachtssnack (Milchshakes und Pommes) gewinnen. Die zwei Besten von uns haben ein NK2 2016 Betreuer T-Shirt gewonnen. Das war schon Anreiz genug! Die Betreuer_innen waren als Orks verkleidet auf dem Zeltlagerplatz unterwegs und haben uns dann Aufgaben gegeben. Das hat eine Menge Spaß gebracht und der Zeltlagerplatz ist mega aufgeräumt.

Nach dem Mittagessen habe ich erst mal weiter Honigduschen geschrieben. Ich habe mir da ganz schön viel vorgenommen, aber es gibt einfach so viele tolle Menschen hier, denen ich gerne etwas schreiben würde. Später am Nachmittag stand das lang erwartete Finale des Dauerbrenners an. Das Finale wurde groß aufgezogen, mit Einlauf, etwas Programm, unserer Hymne (Zeit, dass sich was was dreht) und und und. Vor dem Finalspiel lag Rot mit fast 100 Punkten vorne, aber es gab wieder Sonderstation, wie Abwurf aus der Hüpfburg im Sprung, ein Trampolin und eine Brummkreisel Base, und Sonderregeln. Also war Alles möglich. Und Alles ist passiert! Es war ein unfassbar spannendes aber auch witziges und faires Spiel. Blau hat tatsächlich eine atemberaubende Aufholjagd hingelegt, das hätte Niemand erwartet. Vergesst Liverpool – Mailand (2005) oder HSV – Juventus Turin (2001), das war die krasseste Aufholjagd der Sportgeschichte. Dann aber kurz vor Schluss, als Blau gerade die 20 Punkte Führung erreicht hat, passiert ein Wechsel, 30 Sekunden vor Schluss! Rot ist dran, hat noch zwei Würfe und der Rest ist kaum in Worte zu fassen. Rot dreht das Ding mit dem aller letzten Wurf, Wahnsinn! Ausnahmezustand, kollektive Raserei, Atemnot... mir gehen die Superlative aus.

Am Ende war es auch gar nicht so wichtig wer gewonnen hat. Wir haben über 16 Tage spannende Partien, Führungswechsel und Highlights en masse erlebt und darauf kommt es an. Also haben wir am Ende auch zusammen gefeiert und ein gemeinschaftliches Teamfoto gemacht. Danach noch ein letzte mal in die Ostsee und zu meiner letzten richtigen Mahlzeit im Esssaal. Beim Abendessen sind wir noch mal richtig ausgerastet, haben den Lagertanz doller getanzt und zu jedem Lied doller mitgegrölt, als je zu vor.

Am Abend war dann die Abschlussshow im Esssaal in gemütlicher Atmosphäre. Wir saßen auf Sofas, haben zusammen noch mal die Tage Revue passieren lassen und die Videopremiere des Musikvideo Workshops gesehen. Richtig cool was die auf die Beine gestellt haben. Danach war auch die Verabschiedung der 15 Jährigen, also die die das letzte mal als Teilnehmer mit nach Neukirchen fahren dürfen. Jeder von uns darf sich in einem großen dicken Lederbuch verewigen und auf einer Seite seine Erinnerungen festhalten. Diese Texte durften dann auch währen der Show vorgelesen werden. Ich habe mich nicht getraut, weil ich auch sehr persönliche Sachen niedergeschrieben habe, aber es waren richtig schöne Texte dabei. Viele haben versucht Neukirchen aus ihrer Sicht zu erklären und haben beschreiben, wie sie die letzten Jahre in Neukirchen erlebt haben. Es ging auch viel um das ganz bestimme Gefühl, das man mit Neukirchen verbindet, das so unglaublich schwer zu beschreiben ist. Ein paar Sachen die mir in Erinnerung geblieben sind: „Neukirchen ist ein Ort, an dem es keine Erwartungshaltung an mich gibt“

„Jede_r kann so sein wie er oder sie es will“

„Neukirchen ist ein Ort an dem verrückt sein total normal ist“

Oder auch das viel bekannte „Neureichen – zweite Heimat“

Abschiedsstimmung war jetzt im ganzen Esssaal zu spüren und Alle blickten wehmütig dem letzten Abend in unserer zweiten Heimat entgegen. Nach der Show haben wir uns viel Zeit dafür genommen schon mal etwas Abschied zu nehmen und lagen uns in den Armen. Für mich gab es zu diesem Zeitpunkt schon längst kein halten mehr und mir floss die ein oder andere Träne über die Wangen.

Am letzten Abend dürfen wir wie gesagt so lange wach bleiben wie wir wollen. Es gibt die Regel, dass Jeder nur in seinem eigenen Zelt schlafen darf und in den Zelten darf ab 23 Uhr nur noch geschlafen werden. Dafür gab es noch bis Mitternacht ein Lagerfeuer auf dem Abenteuerspielplatz und der Rest sollte sich im Esssaal oder um die Rundeplatte aufhalten, damit die Betreuer_innen einen Überblick behalten können. Ich hab bis jetzt Crêpes gegessen, die letzten Honigduschen geschrieben, viele „letzte“ Gespräche geführt und lange bei der Diashow im Esssaal zugeguckt. Da waren alle Fotos der letzten 18 Tage zu sehen, aber die kommen ja auch noch mal als Download auf die NK2 Homepage. Für die restliche Nacht habe ich mir auch weiterhin ein lockeres Programm vorgenommen. Später will ich dann mit vielen Leuten den Sonnenaufgang am Strand gucken und Abschied von meinem geliebten Neukirchen nehmen.

Jetzt ist tatsächlich der Zeitpunkt gekommen Abschied zu nehmen. Unvorstellbar nie wieder als Teilnehmer nach Neukirchen zurückkommen zu können. In tiefer Trauer beende ich ein Kapitel meines Lebens. Ich habe mir aber fest vorgenommen, als Betreuer wiederzukommen. Das Kapitel Neukirchen will ich noch nicht ganz beenden, dafür ist mir dieser Ort einfach zu wichtig geworden. Schon mit 16 Jahren kann ich mich für Nki, NK1 oder NK3 bewerben und hoffe, dass ich dort mitfahren kann. Das wäre dann für mich auch umso mehr die Möglichkeit etwas von dem zurück zu geben, was Neukirchen Alles für mich getan hat.

Ich mische mich mal wieder unter die Leute und gleich heißt es vermutlich wirklich „eine letzte Runde Runde“.

Schlaf schön liebes Tagebuch... für immer

Tage