– Tag 8

Liebes Tagebuch,

wie gestern schon angekündigt war heute der Elternbesuchstag in Neukirchen. Ein Tag, dem ich irgendwie ein bisschen zwiegespalten gegenüberstehe. Auf der einen Seite ist es natürlich ganz schön, die eigenen Lieben mal wieder zusehen. Auf der anderen Seiten nervt es, auch in dieser ganz eigenen Welt von Neukirchen, die sich hier vom ersten Tag an entwickelt und aufbaut, so gestört zu werden. Naja, immerhin gibt es die Möglichkeit zu erfahren, was draußen so los ist, neue Klamotten abzugreifen und das Taschengeldkonto aufzufrischen. Außerdem glaube ich, dass es gerade für die anderen Teilnehmer_innen, die vielleicht zum ersten Mal in NK 2 oder erst 13 Jahre alt sind, wirklich wichtig ist, dass dieser Tag existiert. Tja, also für mich könnte es auch irgendwie so sein, dass meine Lieben kurz vorbeikommen, sagen und sehen das alles gut ist, Sachen tauschen und dann wieder abhauen. Aber starten wir erstmal von vorne durch.

Erstaunliches Detail war für mich heute morgen direkt beim Frühstück das Fehlen von Frühstückseiern. Ich fahre nun schon seit sieben Jahren mit in die unterschiedlichsten Zeltlager nach Neukirchen und ich kann mich nicht daran erinnern,  dass so etwas schon mal vorgekommen ist. Es war für mich jetzt nicht so wirklich schlimm, da ich meistens eh nicht so richtigen Ei-Hunger habe. Das kann natürlich daran liegen, dass Elli derzeit nicht in Neukirchen ist. Elli ist die Leitung in der Küche hier in Neukirchen und dieses Jahr leider krank und nicht dabei. Außerdem hat Anke, ihre Stellvertreterin, gerade ein paar Tage Urlaub. Natürlich sind die anderen auch voll gut und nett - doch irgendwie ist Neukirchen ohne Elli und Anke nicht zu 100% Neukirchen für mich. Auch wenn ich nie wirklich viel mit der Küche so am Hut hatte, fehlen sie mir schon.

Das mit dem frühen zu Bett gehen hat gestern Abend dann doch nicht so richtig gut geklappt. Wir waren gemeinsam mit ein paar Anderen aus dem Zelt noch auf diversen Streifzügen in den anderen Zelten unterwegs, bis uns die Platzbereitschaft dann einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Da war es dann aber auch schon wieder ganz schön spät. Entsprechend wenig motiviert ging für unser Zelt das heutige Aufräumen von der Hand. Der morgen vom Elternbesuchstag sieht eigentlich immer so aus, dass von allen gemeinsam das Zeltlagergelände aufgeräumt wird. Dazu gehört dann auch ein großes Sauber machen und neu strukturieren der Angelegenheiten im Zelt. Also alle Pritschen raus, durchfegen und Sachen sortieren. Bei uns ist diese Aktion dann darin geendet, dass wir alle vor dem Zelt auf unseren Pritschen gechillt und eine Folge drei Fragezeichen gehört haben. Also normale Geschichte halt, dass danach noch eine Art Zeltzeit stattfindet. Die Betreuer_innen, die in Zelt 17 schlafen, haben die Zeit zwischen Mittagessen und Beginn des Elternbesuchstags dann für eine solche Zeltzeit genutzt und sich alle als Tiere schminken lassen. Sehr, sehr witzig. 

Dann war es eigentlich auch schon soweit, dass die Eltern ankamen. So nach und nach wurde unsere schöne Neukirchen-Welt dann von gefühlten 300 anderen Menschen gestürmt und bestaunt. Das Programm des Besuchstags war sehr, sehr entspannt und lud alle dazu ein ordentlich mitzuwirken. Neben den üblichen Alten-Leute-Sachen, wie Kaffe und Kuchen zu sich zu nehmen - ehrlicherweise gestehe ich, dass dort einige sehr leckere Kuchen dabei gewesen sind - stand der gegenseitige Austausch im Vordergrund. Ich glaube, dass fast das gesamte Zeltlager Besuch bekommen hat. Wahnsinn. Um 15:30 war es dann soweit, wir haben den Eltern, Freunden und Verwandten von Außerhalb den Dauerbrenner vorgeführt. In zwei kurzen Halbzeiten mit knackiger Moderation und nicen Acts in der Halbzeitpause konnte Team Blau die Führung wieder an sich reißen und wir als Zeltlager den Eltern präsentieren, was hier so abgeht. Ich hab dieses Mal mitgespielt und für diesen kurzen Moment noch mal ausblenden können, dass wir gerade wie auf einem Kreisliga-Fußballplatz bestaunt und angefeuert wurden, sondern war wieder in den Momenten von Neukirchen gefangen.

Nach dem Dauerbrenner bin ich dann noch mit meiner Familie und meinen Freunden zum PubQuiz gegangen. Unser Teamname war sicherlich der Beste, jedoch unser Abschneiden nicht so richtig dolle. Wir hießen „Information - in Formation“. Naja, die Idee war auf alle Fälle, dass sich die Besucher_innen während dieser AG-Zeit von 16:00 - 17:00 einen noch besseren Überblick über das Zeltlager verschaffen konnten. Das konnten meine Besucher_innen auf alle Fälle. Nach gut gemeinten Ratschlägen („Übertreib es nicht in deinem letzten Jahr“, „Pass auf Dich auf“, „Ärgere die Betreuer nicht so“, „Hab noch viel Spaß - genieß die Zeit“), hatten wir den Platz dann wieder für uns alleine. Ruhe - nun kann das Zeltlager so richtig losgehen. Wir nähern uns den letzten Schritten, und mir wird so langsam wirklich bewusst, was es heißen wird, dieses große Ganze hinter mir zu lassen.

Der Abend wurde kurzfristig von den Betreuer_innen zum Freestyle Abend umgewidmet und das war für mich die richtige Wahl. So konnte ich gemütlich mit einem Crêpes in der Hand die schöne Zeit, das Lagerfeuer und die vielen kleinen AGs rund um den Abenteuerspielplatz genießen. Gegen späteren Abend bin ich dann ins Küzi gegangen, im Haupthaus, und habe dort noch einen Teller Nudeln gegessen und mit ein paar Freunden aus verschiedenen Zelten abgehangen. Nun freue ich mich tatsächlich auf das Bergfest morgen - und das geilste Spiel der Welt - Remmi Demmi. Das soll morgen nämlich auch stattfinden. 

Tage